Thailand

Ankunft in Bangkok, Thailand

Die Ankunft lief problemlos. Wir wechselten als Erstes Geld. Jeder von uns hatte in der Schweiz ein Bündel American-Traveller-Checks gekauft – Kreditkarten waren für uns damals noch unerreichbar. Man riss einfach einen Check aus dem Büchlein, unterschrieb ihn vor den Augen des Angestellten in der Wechselstube (wir hatten alle Checks schon beim Kauf einmal unterschrieben). 

Unser indischer Freund aus Hongkong hatte uns ein günstiges Hotel in Bangkok empfohlen. Ich glaube, es hieß Malaysia Hotel. Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir hin. Der Preis passte für uns, es gab einen Swimmingpool für die Gäste, Klimaanlage im Zimmer und direkt in der Nähe unzählige Straßenküchen. 

Viele amerikanische Soldaten waren dort ebenfalls zu Gast. Manche sprangen vom Balkon im zweiten Stock mit Anlauf über die Brüstung direkt in den Pool. Nicht allen gelang das – einer verletzte sich schwer, weil er nicht im Wasser landete.

Unerwartetes Wiedersehen im Hotel

Eines Abends saßen wir in der Hotelhalle. Plötzlich rief Rolf laut „Egger!“ – und im Restaurant stand tatsächlich ein Freund aus der Schweiz, den er aus dem gleichen Dorf kannte. Sie kamen ins Gespräch, und er erzählte, dass er vor drei Jahren aus der Schweiz nach Australien ausgewandert war und jetzt auf dem Rückweg in die Schweiz war. Er konnte uns viele nützliche Tipps über Australien geben. 

Uns war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, ob wir überhaupt wieder in die Schweiz zurückkehren würden. Am Anfang unserer Reise dachten wir, wir wären ca. sechs Monate unterwegs und würden dann von Thailand aus über Burma, Bangladesch, Afghanistan und die Türkei zurückfahren. Das hatte ich auch meinem Vater gesagt, als er mich fragte, wie lange es dauern würde. Meine Antwort war damals: „Ca. sechs Monate.“ 

Erste Tage in Bangkok

Wir verbrachten einige Tage in Bangkok und besuchten den Königspalast, den Schwimmenden Markt, Wat Pho und Wat Phra Kaew.    Danach ging unsere Reise weiter in den Norden: über Ayutthaya, Phitsanulok nach Chiang Mai. Wir verbrachten einige Tage in Chiang Mai und im Goldenen Dreieck. 

Blind musician at a temple in Chiang Mai, Thailand, 1973
little Karen Girl

Bei den Karen in den Bergen

Auch ein paar Tage verbrachten wir in den Bergen oberhalb von Chiang Mai beim Karen-Volk. Das war eines der schönsten und ruhigsten Erlebnisse der ganzen Reise. Die Karen sind eines der größten Bergvölker in Nordthailand. Sie leben in kleinen Dörfern hoch in den Bergen, oft in einfachen Bambushäusern auf Stelzen. Viele trugen noch traditionelle Kleidung – die Frauen oft bunte, selbst gewebte Stoffe mit feinen Stickereien. 

Wir durften im Schulhaus des Dorfes schlafen. Das war eine einfache Holzhütte mit Matten auf dem Boden – kein Luxus, aber herzlich. Die Leute waren unglaublich gastfreundlich und zurückhaltend zugleich. Sie lebten sehr einfach von Reisanbau, etwas Vieh und dem, was der Wald hergab. Abends saßen wir oft zusammen, es wurde wenig gesprochen, aber viel gelächelt. Man spürte diese tiefe Ruhe und Verbundenheit mit der Natur. 

Im Schulhaus trafen wir eine Französin wieder, die allein reiste und die wir schon in Bangkok getroffen hatten. Eine mutige Frau, so ganz allein unterwegs zu sein. 

Karen Volk

Karen;
Karen people, near Chiang Mai, Thailand, 1973
Karen Children
Karen Volk near Chiang Mai, Thailand 1973

Weiterreise und Geldprobleme

Wieder zurück in Chiang Mai fuhren wir einige Tage später über Phitsanulok in Richtung Udon Thani. Unterwegs merkten wir, dass wir schon längst Geld hätten wechseln sollen. Kurz vor Udon Thani stiegen wir aus, um etwas Zeit zu verbringen und Traveller-Checks umzutauschen. 

Wir fanden ein Hotel, das nur ca. 100 Meter neben einer Bank lag. Als wir zur Bank gingen und Traveller-Checks wechseln wollten, sagte der Angestellte, sie würden keine Traveller-Checks annehmen. 

Es reichte gerade noch fürs Essen, aber das Hotel konnten wir nicht bezahlen. Die Besitzerin war eine junge Chinesin, die ein bisschen Französisch sprach. Sie hatte früher in Genf gearbeitet und war der Meinung, wir als Schweizer würden das Problem schon lösen. 

ThailandBusstop
Good life on the beach in Songkhla, southern Thailand, 1973

Sie erzählte uns, dass unweit des Hotels ein natürlicher Pool sei. Wir machten uns auf den Weg – es war eine kleine Staumauer, das Wasser war sauber und man konnte gut schwimmen.

Plötzlich waren wir nicht mehr allein im Wasser: Zwei junge Thailänderinnen schwammen mit uns.

Rolf und ich entschieden, dass einer von uns nach Udon Thani fahren sollte, dort in eine große Bank gehen und eine Überweisung organisieren, damit der andere das Hotel und den Bus bezahlen konnte. Rolf blieb als „Pfand“ im Hotel. Einige Tage später kam er nach Udon Thani nach. Ich hatte dort ein Hotel direkt gegenüber der Busstation bezogen, um zu sehen, wann er ankommt. 

Udon Thani war damals eine große amerikanische Air-Base. Gerne wären wir etwas näher rangegangen, aber das war unmöglich – die Basis war super-bewacht, und man wurde sofort aufgefordert, die Gegend zu verlassen. 

Udon Thani war damals eine große amerikanische Air-Base. Gerne wären wir etwas näher rangegangen, aber das war unmöglich – die Basis war super-bewacht, und man wurde sofort aufgefordert, die Gegend zu verlassen. 

View of Chiang Mai, Thailand 1973

Eindrücke

Palace Thailand 1973
Girl on a bus in northern Thailand, 1973
From Thailand to Laos via the Mekong, 1973