Schiffspassage über den Pazifik mit der Britanis

Schiffspassage über den Pazifik mit der Britanis

Die Britanis traf ein, und ich konnte bald an Bord gehen. Mir wurde eine Kabine zugewiesen, ziemlich tief im Schiff, ohne Fenster. Sie hatte vier Kojen, ein WC, eine Dusche und einen Ventilator. Wir hausten zu viert darin: Gaston, der Bolivianer, der zurück nach Bolivien fuhr, Klaus, der Österreicher (er hatte an der ETH Zürich studiert und in Australien beim Eisenbahnbau für den Abbau von Bodenschätzen gearbeitet), Rolf und ich. 

Die Verpflegung war sehr gut: Frühstück, Mittagessen, Afternoon Tea und Nachtessen. Die Getränke waren spottbillig. 

1974 verließ ich Neuseeland auf einem Linienschiff der Chandris Line. Die Überfahrt von Wellington nach Panama (Colón) dauerte rund vierzehn Tage und führte über den Pazifik mit einem Zwischenhalt von eineinhalb Tagen in Tahiti. Es war eine lange Strecke ohne Eile – eine Reiseform, wie sie damals noch üblich war. 

Das Schiff war kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein echtes Linienschiff. Es transportierte Menschen, keine Unterhaltung. An Bord befanden sich Reisende, Arbeiter, Auswanderer und einige wenige Abenteurer wie wir. Jeder hatte seinen eigenen Grund, unterwegs zu sein. Man begegnete sich beim Essen, auf den Decks oder in den Gängen. Gespräche entstanden, hielten manchmal ein paar Tage oder nur wenige Minuten. 

Der Alltag an Bord war einfach strukturiert. Die Mahlzeiten gaben den Takt vor, dazwischen blieb viel Zeit – Zeit zum Gehen, zum Sitzen, zum Beobachten des Meeres. Der Pazifik war meist ruhig, gleichmäßig und endlos. Die Tage unterschieden sich kaum voneinander. Gerade das machte diese Passage aus: Zeit verlor an Bedeutung. 

Es gab auch einige Themenabende. Am Nachmittag kam dann ein Steward und empfahl uns, uns am Abend doch etwas schick anzuziehen – was wir auch taten. 

We were aboard the Brittanis for the Pacific crossing

Schweizer Kellnerin an Bord

Als Rolf und ich eines frühen Nachmittags an der Theke standen, um einen Drink für den Pool mitzunehmen, sprachen wir Schweizerdeutsch. Plötzlich rief eine Frauenstimme: „Hey, bitte nicht so laut!“ Wir schauten uns um und sahen eine Kellnerin des Schiffes. Sie kam aus Thun und sagte, das sei ihre letzte Fahrt. Sie hatte dreimal die ganze Route als Kellnerin mitgemacht. 

Sie fragte: „Geht ihr nach Hause?“   

„Nein, nach Südamerika.“   

Sie schlug uns vor: „Gebt mir die Telefonnummer eurer Eltern. Wenn ich in der Schweiz bin, rufe ich sie an und sage, dass es euch gut geht.“   

Genau das taten wir. Im Nachhinein habe ich meinen Vater gefragt – sie hat wirklich angerufen. Wenn du diese Webseite siehst: Vielen Dank dafür! 

Nachts hielt ich mich oft an Deck auf. Der Himmel war klar, die Sterne zahlreich – aber nicht so überwältigend wie damals im Outback von Papunya. Einen solchen Sternenhimmel habe ich nie mehr gesehen. Das gleichmäßige Geräusch der Maschinen begleitete alles. Es gab keine Ablenkung, nichts zu erledigen. Man war einfach unterwegs. 

Es gab auch immer wieder großartige Partys an Bord. Und diese waren besonders gut und ausgelassen.  

Party on the Britannis during the crossing from Wellington, New Zealand, to Colón, Panama

Zwischenhalt in Tahiti

Der Zwischenhalt in Tahiti unterbrach diesen ruhigen Rhythmus für kurze Zeit. Wir gingen an Land, sahen Farben, üppige Vegetation, Menschen und spürten die Hitze. Der Aufenthalt war kurz und blieb oberflächlich, hinterließ aber bleibende Eindrücke.

Am Abend besuchten wir einen Klub. Noch vor Einbruch der Dunkelheit war nichts richtig zu sehen – nur viele Hände, die uns abtasteten. Rolf und ich schauten uns an und verließen das Lokal sofort mit den Worten: „Wir sind hier im falschen Film.“

Von Anfang an war klar, dass es kein Bleiben gab. Nach eineinhalb Tagen legte das Schiff wieder ab. Vier Personen blieben zurück, weil sie zu spät erschienen waren. 

Zurück auf See kehrte sofort die Ruhe zurück. Der Pazifik nahm uns wieder auf. Die Tage wurden erneut lang und gleichförmig. Gedanken wanderten voraus. Mittelamerika rückte näher – Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien … begannen sich gedanklich abzuzeichnen, obwohl es noch weit entfernt war.