Ecuador
Grenze nach Ecuador und Warten auf Dias in Quito
Die Zeit drängte. Am letzten gültigen Tag unseres Visums überschritten wir die Grenze bei Ipiales und erhielten auf der ecuadorianischen Seite in Tulcán unseren Einreisestempel.
Auf der Fahrt von Tulcán nach Quito sah ich Dörfer mit runden Strohhütten, so schlicht und zeitlos, dass sie mir fremd vorkamen – fast wie aus einem anderen Kontinent. Sie erinnerten mich ein bisschen an Afrika.
Die Fahrt dauerte etwa vier Stunden. In Quito bezogen wir ein Zimmer in der Nähe des Busbahnhofs, also unweit der Altstadt, die wir intensiv und regelmäßig besuchten. Natürlich schauten wir uns auch die Kirchen an. Manche wirkten auf mich fast ein bisschen überladen, aber wir respektierten immer die Verschiedenheit der Länder, die wir besuchten.
Meine letzten Dia-Filme hatte ich noch in Kolumbien verschossen. Schon lange vorher hatte ich meinem Vater neue Diapositive bestellt und ihn gebeten, sie so schnell wie möglich per Luftpost an „Albrecht, Poste Restante, Quito, Ecuador“ zu schicken.
Warten auf die Diapositive
Nach unserer Ankunft ging ich regelmäßig zur Hauptpost. Leider waren die Filme noch nicht da. Nach einigen Tagen und nachdem wir einen Bekannten aus Australien in Quito besucht hatten, vereinbarten Rolf und ich ein bewährtes System: Er würde schon voraus nach Guayaquil fahren, und wir würden uns während einer bestimmten Woche täglich zwischen 17 und 19 Uhr vor der Hauptpost treffen. Dieses Treffsystem hatte schon mehrmals gut funktioniert.
So ging ich jeden Tag zur Hauptpost, zeigte meinen Pass und fragte nach der Sendung. Eines Tages standen zwei junge Europäer hinter mir und fragten: „Bist du Schweizer?“ Ich bejahte.
Zwei junge Schweizer luden mich ein – und erschienen nicht
Sie stellten sich vor: Sie seien Kinder des Schweizer Botschafters in Guayaquil. Wir setzten uns auf eine Bank, und ich wurde ausgefragt – woher ich komme, welche Länder ich schon bereist hätte und welche noch vor mir lägen. Die beiden waren schätzungsweise 17–18 Jahre alt. Plötzlich fragte einer: „Hast du morgen Mittag Zeit? Wir würden dich gerne abholen und unserem Vater vorstellen.“
Wir vereinbarten einen Termin für den nächsten Tag wieder bei der Hauptpost. Ich wartete bis etwa 14 Uhr – vergeblich. Wahrscheinlich war der Vater nicht einverstanden, dass seine Söhne Kontakt mit einem Backpacker hatten. Wie auch immer – egal.
Endlich kamen meine Diapositive an. Auf der ganzen Reise hatte ich immer wieder gefragt, ob sie welche hätten und was sie kosten würden. Meistens waren keine auf Lager oder sie waren sehr teuer. Auch in der Schweiz waren Dias teuer. Deshalb hatte ich sie aus der Schweiz kommen lassen.
Am nächsten Tag bestieg ich den Bus nach Guayaquil – etwa vier Stunden Fahrt. Unterwegs stiegen einige Ureinwohner mit rot gefärbtem Haar zu. Man nennt sie hier „Colorados“.
In Guayaquil angekommen ging ich wie vereinbart zur verabredeten Zeit zur Hauptpost. Rolf und ich trafen uns wieder. Er hatte schon einige Sehenswürdigkeiten erkundet, die wir am nächsten Tag zusammen anschauen wollten. Zuerst aber erzählten wir uns unsere Erlebnisse der letzten Tage.
Wir fanden ein kleines, großartiges Café, das gleichzeitig eine Streetfood-Küche hatte. Wir aßen Ceviche und tranken dazu ein kaltes Bier. Vorzüglich zubereitet.
Von anderen Backpackern hatten wir gehört, dass plötzlich ein Visum nötig sei, um nach Peru einzureisen. Wir erkundigten uns beim peruanischen Konsulat und stellten fest, dass man dort noch gar nicht über diese Neuigkeit informiert war.