Australien

Flug nach Darwin

Anfänglich war der Flug ganz okay. Aber nachdem man uns Poulet-Beine, Orangen und ein kleines Brötchen serviert hatte, begann es plötzlich zu schütteln. Es war eine viermotorige Maschine. Wir gerieten in einen Sturm, und aus dem Fenster sah man, wie stark es regnete. Einige Poulet-Beine, Orangen und Brötchen flogen durch die Luft. Alles, was in unsere Griffnähe kam, haben wir gesammelt. 

Der Flug beruhigte sich wieder, und es kam zu einer Zwischenlandung in Dili, damals noch portugiesisches Timor. Kurzer Aufenthalt, dann Weiterflug nach Darwin. Der ganze Flug dauerte nicht drei Stunden. 

Flight ticket from Bali, Indonesia, via Dili, to Darwin, Australia

Australien, Darwin, Northern Territory 

Flugzeug landet während nachmittags in Darwin, erste Überraschung, die Türen werden am Flugzeug hinten und vorne geöffnet, es treten zwei Herren, kurzen Hosen, weisse Socken, Sportschuhe, ein und die Türen werden wieder geschlossen. Jeder besprüht mit einer grossen Sprühdose die Passagiere, einmal linke Seite einmal rechte Seite, es riecht nicht gut. Wir warten alle ab, was nun geschieht, nach einigen Minuten Wartezeit, werden die Türen geöffnet und wir können, hinaussteigen, Treppen, und den australischen Boden betreten, sehr gutes Gefühl, auch wenn wir praktisch ohne Geld waren, aber wir hatten beide einen «Workingpermit» Stempel in unseren Pässen. Wir werden mit Handzeichen 

Zum Gebäude geleitet, am Eingang steht eine kleine Wanne am Boden mit dickem Schaumstoff, und alle Passagiere müssen durch diese Wanne gehen, Flüssigkeit dringt aus dem Schaumstoff, nach dieser Passage, durch die Zollkontrolle, und weiter unser Impfausweis Kontrolle, nirgends Probleme. Mittlerweile während dem Anstehen hatten wir mit zwei Neuseeländer Männer gesprochen, und einiges ausgetauscht sie waren auf dem Heimweg. Noch eine Kontrolle erwartet uns, wir wurden gefragt ob wir Früchte oder andere Esswaren, Fleisch usw., ich zeigte die orangen, und Brötchen, er liess mir eine Orange UND Ein Brötchen, das Poulet ein hatte ich Flugzeug gelassen.  

Er fragte mehrmals, ob wir noch andere Schuhe hätten, ja sagte ich, und grub meine US-Armee-outlet Schuhe aus er nahm sie mit, Rolf wollte nicht herausrücken mit den Schuhen, sie waren ziemlich schmutzig, trotzdem gab er sie auch ein, der Quarantäne angestellter verschwand mit beiden paaren, und brachte diese in einwandfreien und gereinigt uns zurück, er erzählte uns sie würden sehr darauf achten, dass vor allem mit den Schuhen Krankheiten eingeschleppt. Würden.  

Aboriginal ceremony, Northern Territory, Australia

Mit Taxi in die Stadt Darwin 

Wir traten aus dem Gebäude heraus und kamen wieder mit den Neuseeländer ins Gespräch, ob wir mit ihnen in die Stadt mit Taxi fahren würden, wir sagten das wir nicht gut bei Kasse wären, beide ungefähr in unserem alter, aber bedeutend besser gekleidet als wir. Keine Sorge steigt ein. Wo wir den hinfahren möchten, wir sagten irgendein günstiges, Jugendherberge,  

Sie hätten schon auf der hinreise nach Asien eine gute und günstige Herberge gefunden. Ok wir kommen gerne mit. Dort angekommen bezahlten sie das Taxi, und wir folgten Ihnen in die Herberge, dort wurden beide vom Besitzer und seiner frau begrüsst, sie bekamen ein Zimmer, jetzt waren wir an der Reihe, ich sagte dem Besitzer sofort, wir hätten praktisch kein Geld mehr, ob wir ein Pfand hinterlegen könnten und später zahlen. Er fragte kommt ihr zum Arbeiten nach Australien, ja beantworteten wir diese frage, wenn ihr ein guter Fotoapparat habt, könnte ihr dies bei mir hinterlegen und wenn wieder Geld vorhanden bezahlen, und alles ohne Bürokratie. 

Rolf gab seine Filmkamera ab und ich mein Fotoapparat als Pfand

Mit dem in Australien oft verwendeten Spruch «don’t worry». Wir haben uns bei den Neuseeländer bedankt, für das Mitfahren. Beide haben uns eingeladen nach Neuseeland zu kommen wir erhielten ihre Anschrift sie wohnten in Christchurch. Am anderen Morgen gingen sie sehr früh zum Flughafen.  

Es war der 31 Dezember 1973, ich hatte noch ungefähr 2 Franken in der Tasche, Rolf ein bisschen mehr. Es war warm, so liefen wir die Smith Street hoch bis zum ersten Pub tranken ein jeder wohlverdientes Bier, still genossen wir das Bier, froh darüber, dass trotz den vielen Aufregungen der letzten Tage, vor allem am Reisetag, sich alles zum Guten gewendet hatte. Während des Reisens teilten wir uns jeweils 1 Flasche Bier.  

Am 01.01.1974 machten wir einen Rundgang durch Darwin, normal alles war geschlossen, bis auf eine Croque-Monsieur Bude, wo wir zu einem günstigeren Preis 

Einen Croque-Monsieur erhielten, zum halben Preis, weil es «altes» Brot war. Trotzdem hat er gut geschmeckt. 

Damit wir am nächsten Tag schon früh uns um einen Job kümmern wollten haben wir danach wenige Passanten gefragt, alle sagten heute ist geschlossen ihr verrückten Ausländer, es war nicht böse gemeint, sie grinsten dabei, aber sie erklärten uns, wo das Employment Office war. Wir haben es gefunden, so wussten wir für den anderen Tag wo hingehen 

Sonst haben wir auch die Stadt ein bisschen angeschaut und haben einen Kiosk gefunden, der eine Kolben-Kaffeemaschine besass, er war Italiener, netter man, wir bestellten 2 kleine Kaffee, die wir mit geschlossenen Augen genossen, er schenkte uns 1 Kaffee, wir waren sehr froh um den geschenkten. Dieser Kiosk wurde für uns jeden Sonntag nach dem essen, eine Pflicht dort einen anständigen Kaffee zu drinken. Die meisten Lokalitäten waren geschlossen, ich denke viele hatten einen Kater.

Papunya, After a job well done, ready to return to Alice Springs, Northern Territory, Australia, 1974

Erster Job in Darwin, Australien

Am 2. Januar 1974 waren wir sehr früh beim Employment Office. Wir schauten uns das Vacancies Board an (die offenen Stellen). Zu unserem großen Erstaunen waren praktisch nur handwerkliche Berufe ausgeschrieben. Ich hatte keine Lust, in einem Büro zu arbeiten – schlechter bezahlt und dann noch diese Tenue-Pflicht. 

Es wurden Köche, Metzger, Bäcker, Konditoren, Schlosser, Automechaniker und so gesucht. Mein Auge blieb beim Job „Bau-Maler“ hängen. Ich sagte zu Rolf: „Ich gehe hinein und melde mich als Bau-Maler.“   

„Wie kommst du denn darauf?“, fragte er.   

Ich antwortete: „Als 15-Jähriger wurde ich von einigen Großmüttern in unserem Quartier gefragt, ob ich ihnen die Küche mit weißer Farbe streichen würde. Natürlich fragte ich, warum sie nicht einen richtigen Maler beauftragen. Die Antwort war immer: ‚Die sind zu teuer.‘ Ich sagte den älteren Damen, ich müsse es mir überlegen.“ 

Schnellbleiche ausgebildet als Baumaler

Wie stellt man das an? Ein bisschen Geld war allemal willkommen. In unserem Quartier wurde gerade ein neues Haus gebaut, und dort strichen die Maler eine Außenwand. Ich ging hin und fragte, ob sie mir das erklären könnten. Sie bejahten es, sagten aber: „Wir geben dir Geld, und du besorgst uns 4 Flaschen Bier.“   

Ich holte das Bier. Dann erklärte mir ein italienischer Maler alles: Die Wand zuerst mit Rico waschen, eventuelle Unebenheiten mit Papier schleifen, Löcher mit Kitt füllen und erst dann mit Dispersionsfarbe und Roller streichen. Ich solle mir einen Eckpinsel besorgen und vor dem Rollen zuerst die Ecken mit dem Pinsel streichen. „Wenn du die Arbeit bei der Frau machst, komm zuerst bei mir vorbei – ich leihe dir das Material, außer Rico, das musst du kaufen.“   

Welding, for air conditioning, Albrecht , Tea Tree, Australia, 1974

Ich fragte noch, was ich der Frau verlangen solle. Er sagte, für so eine Küche würden sie zwischen 120 und 180 Franken nehmen. Die ältere Frau wollte mir zuerst nur 20 Franken geben. Ich sagte nein, das sei viel Arbeit, die Maler würden viel mehr verlangen. Während der Schulferien habe ich dann zwei Küchen gestrichen – je 40 Franken pro Küche, und jede Arbeit dauerte zwei Tage. 

Also zurück zur Anmeldung beim Employment Office. Wir traten ein, und ich sagte, ich würde mich für den Job als Bau-Maler interessieren. Wir wurden von einem Angestellten gebeten, einzutreten und Platz zu nehmen. Er nahm meine Personalien auf, schaute meinen Pass an und fragte dann, wo ich meinen Job gelernt hätte. Wie der Blitz schoss mir der Name einer Malerfirma in Biel in den Sinn. Ich antwortete: „Bei René Ackermann.“   

„Wie lange dauerte die Lehre?“   

„Drei Jahre.“ 

Rolf saß neben mir und murmelte: „Wenn die nachfragen, hast du Probleme.“ Ich war mir sicher, dass sie nicht nachfragen würden – nicht mit einem Postbrief und einem überteuerten Telefonanruf. Es gab noch kein E-Mail, kein Fax, kein WhatsApp und so weiter. Okay, mein Formular war ausgefüllt. 

Nun kam Rolf an die Reihe. Er sagte aber nicht denselben Lehrmeister wie ich. Die Befragung war schnell beendet. Der Angestellte vom Employment Office sagte, er hätte sofort einen Job für uns, allerdings befristet. Ein Malermeister müsse eine Arbeit innerhalb von fünf Tagen beenden. Ob er ihn anrufen solle? Wir sagten ja, gerne. Er rief an, und innerhalb einer halben Stunde holte uns der Mann ab und fuhr uns zur Arbeit. 

Der Lohn wurde vereinbart. In Australien gilt: Wenn man sagt, man habe den Beruf erlernt, dann ist man gemäß Gewerkschaft „Trade“ und bekommt den Lohn eines gelernten Arbeiters. 

Holzlasur und Kitten

Auf der Baustelle standen lauter Einfamilienhäuser. Unsere Aufgabe war es, den unteren Teil der Holzfenster zuerst zu kitten und, sobald alles getrocknet war, mit einer Art Holzlasur zu streichen. Wir taten, was der Meister befahl. Er korrigierte uns nur wenig, und wir lernten sogar, wie man Pinselhaare entfernt, ohne sie mit der Hand herauszuziehen. 

Feierabend. Wir hatten wieder kein Geld mehr.   

„Wo wollt ihr hin?“   

„Wenn du uns wieder in die Stadt zurückbringen würdest, wäre das okay.“   

„Wenn du uns wieder in die Stadt zurückbringen würdest, wäre das okay.“   

Kaum unterwegs, fragte ich ihn, ob er uns beiden je 20 australische Dollar bis zum Zahltag leihen könnte. Er hielt den Wagen an, holte seinen Geldbeutel heraus und gab uns je 20 Dollar. Dabei lachte er und sagte: „Kein Problem, wir rechnen am Schluss der Arbeit ab.“   

„Na und, wollt ihr nach Hause?“   

„Nein, lieber dorthin, wo man etwas zu essen einkaufen kann.“ 

Er fuhr uns zum Woolworth, einem großen Geschäft. „Ich hole euch morgen um 7 Uhr in eurem Gasthaus ab.“   

„Okay.“ 

Wir traten ein und berieten uns: Zuerst ein anständiges Stück Fleisch, dann Zwiebeln, Salz, grüne Bohnen aus der Dose und etwas zu trinken – am liebsten ein bisschen Rotwein. In der Weinabteilung gab es jedoch keine 0,75-Liter-Flaschen, nur Gallonen. Also kauften wir je eine Gallone. An der Kasse bezahlten wir alles und teilten die Kosten halbe-halbe. 

Wir liefen die Smith Street hinunter zu unserem Gasthaus und besetzten die Gemeinschaftsküche. Es war niemand da. Doch weil der Duft seinen Weg hinausfand und die Fenster offenstanden, schauten plötzlich einige Augenpaare herein und sagten: „Es riecht sehr gut!“ 

Rolf und ich genossen diese erste richtige Mahlzeit in Australien und tranken auch genug Wein dazu. Es war australischer Rotwein mit dem Namen „Burgundy“, der aus dem Barossa Valley stammte. 

Fünf Tage arbeiteten wir für diesen Mann. Am Schluss bezahlte er uns wie vereinbart und zog die 20 Dollar ab, die er uns geliehen hatte. Wir bezahlten unser Zimmer und bekamen unsere Kameras zurück. 

Rolf gab seine Filmkamera ab und ich mein Fotoapparat als Pfand

Mit dem in Australien oft verwendeten Spruch «don’t worry». Wir haben uns bei den Neuseeländer bedankt, für das Mitfahren. Beide haben uns eingeladen nach Neuseeland zu kommen wir erhielten ihre Anschrift sie wohnten in Christchurch. Am anderen Morgen gingen sie sehr früh zum Flughafen.  

Es war der 31 Dezember 1973, ich hatte noch ungefähr 2 Franken in der Tasche, Rolf ein bisschen mehr. Es war warm, so liefen wir die Smith Street hoch bis zum ersten Pub tranken ein jeder wohlverdientes Bier, still genossen wir das Bier, froh darüber, dass trotz den vielen Aufregungen der letzten Tage, vor allem am Reisetag, sich alles zum Guten gewendet hatte. Während des Reisens teilten wir uns jeweils 1 Flasche Bier.  

Am 01.01.1974 machten wir einen Rundgang durch Darwin, normal alles war geschlossen, bis auf eine Croque-Monsieur Bude, wo wir zu einem günstigeren Preis 

Einen Croque-Monsieur erhielten, zum halben Preis, weil es «altes» Brot war. Trotzdem hat er gut geschmeckt. 

Damit wir am nächsten Tag schon früh uns um einen Job kümmern wollten haben wir danach wenige Passanten gefragt, alle sagten heute ist geschlossen ihr verrückten Ausländer, es war nicht böse gemeint, sie grinsten dabei, aber sie erklärten uns, wo das Employment Office war. Wir haben es gefunden, so wussten wir für den anderen Tag wo hingehen 

Sonst haben wir auch die Stadt ein bisschen angeschaut und haben einen Kiosk gefunden, der eine Kolben-Kaffeemaschine besass, er war Italiener, netter man, wir bestellten 2 kleine Kaffee, die wir mit geschlossenen Augen genossen, er schenkte uns 1 Kaffee, wir waren sehr froh um den geschenkten. Dieser Kiosk wurde für uns jeden Sonntag nach dem essen, eine Pflicht dort einen anständigen Kaffee zu drinken. Die meisten Lokalitäten waren geschlossen, ich denke viele hatten einen Kater.

Sofort ein neuer Job

Nach der ersten Arbeitsstelle gingen wir wieder zum Employment Office. Der Angestellte fragte: „Alles okay?“   

„Ja.“   

„Wollt ihr wieder arbeiten?“   

„Natürlich.“ 

„Okay, ich schaue nach, was vorhanden ist.“ Er teilte uns mit, dass eine mittelgroße Firma Bau-Maler suche – und zwar möglichst bald. Ob er den Firmeninhaber anrufen dürfe? Der sagte, es würde etwa eine Stunde dauern, dann würde er uns abholen. 

Nach ungefähr einer Stunde holte uns der neue Boss bzw. Malermeister ab. Er war Europäer und seine Firma hieß „Easy Decorator“. Wir kamen bei einem neu im Bau befindlichen Mehrfamilienhaus an. Es war eine bunt zusammengewürfelte Arbeiterschaft: Der Vorarbeiter war Flame und hieß Sony, dann ein Engländer, ein Italiener, ein Ceylonese, ein Irländer, ein Österreicher und wir zwei – Rolf und ich. 

Uns wurde die Arbeit erklärt und los ging’s. Zuerst mussten wir eine Dachrinne mit Pinsel und einer echt mühsamen Farbe streichen. Es bildeten sich immer kleine Bläschen – wahrscheinlich alte oder schlechte Farbe. 

Nach dieser Baustelle waren wir in einem neuen Quartier tätig, lauter neue Einfamilienhäuser. Unsere Aufgabe war es, die Küchenschränke zu pinseln. Ich hatte alle Mühe, die Farbe vernünftig zu verstreichen, und für eine Küche hatten wir einen halben Tag Zeit. 

Dort lernten wir einen Schweizer kennen, Markus. Er hatte den Beruf des Baumalers richtig gelernt, sein Vater besaß in der Innerschweiz ein Malergeschäft. In einem halben Tag schaffte er vier Küchen. Sein Trick war, die Farbe mit Verdünner aufzuweichen, so ließ sie sich viel besser streichen. Er sah sofort, dass wir keine „echten“ Maler waren. Wir legten ihm ans Herz, er solle das für sich behalten und uns beim Chef nicht verpfeifen – sonst würden wir ca. 30 Cent pro Stunde Abzug bekommen. 

Einige Tage später kam der Chef zu uns und sagte: „Ich weiß, ihr seid keine Bau-Maler. Der Schweizer hat euch verpfiffen.“ 

Der Chef war selbst kein Maler. An unserem Gehalt änderte sich trotzdem nichts – wahrscheinlich, weil der Besitzer einen großen Auftrag hereingeholt hatte: Den Hangar für die Boeing 747 der Qantas zu streichen. 

Hangar für die Boeing 747 der Quantas

Diesen Job erhielten wir – Rolf und ich. Einen Hangar für eine Boeing 747 streichen. Man kann sich kaum vorstellen, wie groß das Ding ist. Er war aus Zementsteinen gebaut, und diese Steine saugten die Farbe schlecht auf. Man musste mit aller Kraft den etwa 80 cm breiten Roller voll mit Farbe an die Wand drücken. 

Ich stand oben auf dem Rollgerüst, Rolf unten. Ohne uns Lorbeeren zu schenken: Die anderen Mitarbeiter hätten es vor lauter Kraftmangel wahrscheinlich nicht geschafft. Das wusste der Chef auch, deshalb gab es keinen Abzug am Lohn. Wir verlangten trotzdem 30 Cent mehr pro Stunde – und bekamen sie. 

Ich hatte den Roller, Rolf den Cutter. Vierzehn Tage lang waren wir mit dieser Arbeit beschäftigt. Die anderen malten kleine Türen und sorgten dafür, dass uns die Farbe nicht ausging. 

Ich denke, wir brauchten in dieser Zeit kein Fitnesscenter. Es war eine riesige Kraftanstrengung. 

Nach der ersten Woche kam der Chef am Donnerstag und fragte, ob wir nicht auf den Lohn warten könnten. Das gefiel mir gar nicht. Wir sagten, das gehe nicht – wir müssten unser Zimmer bezahlen und so weiter. Später sagte ich zu Rolf: „Ich glaube, Ende nächster Woche gebe ich meine Kündigung. Plötzlich kann er uns nicht bezahlen – was dann? Wo haben wir den nächsten Job?“ 

Im Pub – dort gingen wir nur am Samstagabend zum Feierabendbier – hatte ich gehört, dass eine Firma neben dem Spital Bungalows für die Krankenschwestern bauen würde und Bauarbeiter suchte. Gesagt, getan. 

Jobwechsel

Ich fragte Sonny, den Vorarbeiter, ob ich am Donnerstagnachmittag früher gehen könne. Er sagte: „Okay, kein Problem.“ 

Ich ging zum Spital, fragte nach dem Vorarbeiter – einem Schotten.

„Ja, es stimmt, wir suchen Bauarbeiter. Wann kannst du anfangen?“   

„Sofort.“   

Die Arbeit wurde besprochen und wir vereinbarten einen Termin. Am anderen Ort kündigte ich am Freitag, und am Montag begann ich den neuen Job. 

In meiner ersten Woche fragte ich, ob sie noch jemanden brauchen könnten. Der Vorarbeiter sagte ja. Ich teilte es Rolf mit, und eine Woche später konnte auch er dort anfangen. So waren wir beide beim gleichen Arbeitgeber. 

Der schottische Vorarbeiter erzählte uns später, warum er Schweizer besonders mochte: Am Kriegsende waren viele Engländer und Schotten in Italien. Züge für England wurden organisiert und fuhren durch die Schweiz. Bei einem kurzen Halt in Bern, ohne dass die Soldaten aussteigen durften, wurden sie von Schweizer Rotkreuzdamen verpflegt. Das sei ihm als schöne Erinnerung geblieben. 

Diese Bungalows wurden aufgestellt, weil die Spitaldirektion mehr Zimmer für Patienten brauchte. 

Von verschiedenen Mitarbeitern hörten wir auch, dass die Firma einen Auftrag im Outback erhalten hatte: Dort sollten ebenfalls Bungalows in einem Aborigine-Reservat aufgestellt werden. Das würde mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Es war noch nicht spruchreif. Also warteten wir ab und hielten die Ohren offen. 

Zwei Nägel im Fuß, die oben ausschauten

Die Baustelle beim Spital war alles andere als aufgeräumt – ganz anders als in der Schweiz. Überall lag Holz herum, Stahlträger, Bretter und Schutt. Dazwischen große Wasserpfützen, die nach Regen nicht richtig abtrockneten. Man musste ständig aufpassen, wo man hintrat. 

Zwei Arbeiter riefen mich: „Hey, hilfst du mal schnell die Metalltreppe zu dem Bungalow da drüben tragen?“ Ich sagte ja, packte allein auf einer Seite an. Die Treppe war schwer und unhandlich. Auf der anderen Seite griffen zwei Mann zu. Wir hoben sie hoch – ich trug meine Seite etwa auf Nabelhöhe, sodass ich den Boden vor mir kaum sehen konnte. Wir machten ein paar Schritte, plötzlich fuhr mir ein brutaler Schmerz durch den rechten Fuß. Ich schrie kurz auf, ließ die Treppe krachend zu Boden fallen und schaute nach unten. 

Zwei lange Nägel schauten oben aus meinem Fuß heraus – sie waren durch die dünne Sohle meiner Turnschuhe komplett durchgegangen. Ich stellte den linken Fuß fest auf das Brett, aus dem die Nägel ragten, und zog meinen rechten Fuß mit einem Ruck heraus. Es blutete sofort stark, das Blut lief in den Schuh und über den Boden. 

Zum Glück halfen mir die beiden Arbeiter sofort. Sie stützten mich, und ich humpelte mit zusammengebissenen Zähnen zum Notfall des Spitals. Dort verpasste mir eine Ärztin als Allererstes eine Tetanus-Spritze. Danach reinigte sie die Wunde gründlich. Sie öffnete sie noch einmal und blies mit Pressluft hinein, während sie sagte: „Mit Luft geht es besser, das drückt den Dreck raus.“ Es brannte höllisch. 

Der Vorarbeiter hatte mir unzählige Male gesagt: „Zieh endlich andere Schuhe an und keine verdammten Turnschuhe!“ Jetzt hatte ich die Quittung. 

Die Ärztin säuberte die Wunde fertig, trug Salbe auf und entschied, sie nicht zu nähen – wegen der Stelle am Fuß. Stattdessen klebte sie ein dickes Spezialpflaster darauf und gab mir Medikamente sowie einen Vorrat an Pflastern mit. „Schone den Fuß, so gut es geht“, sagte sie noch. 

Wir erhielten den Outback-Job

Wegen des Outback-Jobs hatten wir uns schon früher beim Vorarbeiter gemeldet. Er hatte versprochen, uns Bescheid zu geben, sobald etwas frei wäre. Es vergingen einige Tage, bis er eines Nachmittags zu uns kam und sagte: 

„Ihr zwei bekommt den Outback-Job. Aber dass ihr es wisst: Das ist kein Spaziergang. Tagsüber brutale Hitze, nachts oft null Grad oder sogar darunter. Absolute Einsamkeit – die nächste richtige Stadt ist ungefähr 300 Kilometer entfernt. Keine Pubs, kein Kino, nichts. Der Ort heißt Papunya und ist ein Aborigine-Reservat. Dort wird gerade ein kleiner Weiler aufgebaut: eine Schule im Bau, ein einfacher Polizeiposten und ein Esswaren-Depot, das nicht rund um die Uhr offen hat. Ist das okay für euch?“ 

Wir schauten uns kurz an und sagten beide zu. Das Abenteuer lockte uns mehr als die Warnungen abschreckten. 

Er erklärte uns noch die besseren Konditionen: Wir würden deutlich besser bezahlt als in Darwin. Täglich 10 Stunden Arbeit, samstags 8 Stunden. Das bedeutete jeden Tag 2 Stunden Überzeit mit 25 % Zuschlag und samstags den doppelten Lohn. Dazu kamen ein Auswärts-Zuschlag und ein Beitrag für das Essen. 

Am Anfang würden wir zu dritt sein. Der Vorarbeiter hieß Bob Parker. Er war in England geboren, seine Eltern waren nach Australien ausgewandert. Seine Hauptmahlzeiten bestanden fast immer aus Fleisch mit viel Minzsauce – das war sein Ding. Später sollte noch ein weiterer Engländer dazustoßen: Edy Evans, ein waschechter London-Cockney, der auf solche abgelegenen Jobs spezialisiert war. 

Vorbereitungsarbeiten für das Outback  

Bob erhielt nun den Auftrag mit uns unser kleiner Lastwagen vorzubereiten, heisst zusatz-fass für Wasser, zusatzfass für Treibstoff, strom-generator, Pickel, Schaufel. Und eine sehr grosse Werkzeugkiste, mit allen erdenklichen, ein Funktelefon war auch dabei, was für eine grosse Kiste es war.  also mehr oder weniger hatten wir alles, was es brauchte, um im Out Back zu leben und arbeiten. Das Reisedatum wurde bekanntgeben, dazu mussten wir noch den Wohnwagen anhängen und los ging es von Darwin nach Alice Springs, ca. 1500 km. 

Wir hatten für die Firma unterwegs noch zwei Aufträge auszuführen. Der erste war irgendwo im nirgendwo, die T-Eisen im Boden zu betonieren, für die 2 zukünftigen Bungalow, uns wurde gesagt, dass in dieser Gegend viele Aborigines in Gruppen leben würden, wir liessen neben der Strasse unser Wohnwagen zurück und gingen diese Arbeit mit unserem Fahrzeug auszuführen, ich sah keines einzigen Aborigines, ich nehme an dass sie uns gesehen haben, es hätte auch einige Kilometer weiter als der kleine Bauplatz eine «Station» in Australien nennen sie Station für eine Ranch. Cowboys nennen sich in Australien «Stockmen» 2 Tage haben wir dort verbracht, fuhren zurück auf die Hauptstrasse, Wohnwagen anhängen und weiter 

Der nächste Halt war ein Weiler der Tea Tree hiess, eine Tankstelle mit Pub und darum herum eine provisorische Schule Container auf Räder, eine Dusche-WC Anlage im Container auf Räder, daneben, ein grosser Wohnwagen wo der Lehrer mit seiner Frau Wohnte. 2 Bungalow der Firma Sigal Industries waren dort schon aufgestellt. Wir hatten einige Schweiss-Arbeiten und Befestigungen auf den Sockel zu erledigen, wir wohnten in unserem mitgebrachten Wohnwagen, kochen auf dem Lagerfeuer, schön grosse Fleischstücke, die wir mitgebracht hatten, abends ins Pub wo noch eine grosse Gruppe von Strassenarbeiter, die neben der Strasse auch in Wohnwagen wohnten, und mit eigenem Koch, der Chef der Strassen-Baugruppe versuchte uns abzuwerben. 

Australia
Wall paintings Ayers Rock, Northern Territory, Australia, 1974
Northern Territory, Australia

Tea Tree war kaum mehr als eine Tankstelle mit Pub. 

dort lebte ein uralter Goldsucher in seinem Auto, mit seiner Aborigine-Frau, die nie das Pub betrat. Sein alter Wagen parkierte hinten dem Pub.  Er sprach mit niemandem, nur mit der Barfrau, wenn er ein Bier bestellte. Eines Abends zeigte er uns ein halb handgrosses Goldnugget, sorgfältig in Stoff gewickelt. Ich fragte, ob er keine Angst habe, ich könnte es ihm wegnehmen. Er sah mich an und sagte: Nein – deine Augen sind ehrlich. 

Er sagte uns auch folgendes, dank ihr (seine Aborigine-Frau) habe ich im Bush überlebt“ 

Dieser Goldsucher erzählte mir folgendes; kurz gesagt: Ja, Gewalt gegen Aborigines ist historisch gut belegt – und es gab tatsächlich Fälle, in denen für das Töten oder Einfangen von Aborigines Geldprämien bezahlt wurden. 

Rolf und ich freuten uns jeweils am Feierabend mit ihm zu sprechen, ich habe in meinem Leben nicht viele solche Personen getroffen, ich denke sie sind selten anzutreffen, mit solch einer Weisheit, und ein Wissen.  

Wenn man als Ausländer nach Australien kam, hörte man viele Bemerkungen über die Aborigines, und Vorurteile, Ich arbeitete mehrere Monate als Bauarbeiter in einem Aborigine-Reservat. 

Alle Vorurteile, die ich kannte, erwiesen sich als haltlos. Es galt Alkoholverbot, und die Frauen wurden respektiert. Ich arbeitete bei grosser Hitze, hörte zu und lernte. Als ich ging, schenkte man mir einen echten Boomerang – nicht aus Höflichkeit, sondern aus Achtung. Einige der Arbeiter hielten sich nicht an das Verbot die Frauen in Ruhe zu lassen, zu ihrem Glück konnten Sie vor Ende der Arbeit wegziehen, den eines morgens erschienen 5 Aborigines Männer mit Ihren Schwertern, Messer, und fragten nach gewissen Männern, ich sagte sie seien nicht mehr hier, sie glaubten mir nicht und haben alles durchsucht. Sie hatten einige Zelte ausserhalb unserer Sicht mit Lagerfeuer aufgebaut, die meisten schliefen draussen im Sand, um zu schlafen machten sie auf Kopfhöhe ein kleiner Haufen, als Kissen, und bei dieser Kälte am Morgen manchmal bei 0 Grad. Es kam vor, dass unsere Wassertümpel vom Betonieren am Morgen eine Eisschicht hatten. 

Vielleicht unten nach oben schieben

Nach der erledigten Arbeit in Tea Tree fuhren wir weiter nach Alice Springs. Eine kleine, interessante und irgendwie verrückte Stadt. Jedes Jahr findet dort nämlich ein Schiffsrennen im ausgetrockneten Flussbett des Todd River statt – mit Booten, die auf Rädern oder einfach nur getragen werden. Das muss man gesehen haben. 

Im Depot von Sigal Industries wurden wir schon erwartet. Der Chef dort sagte gleich: „Im Moment könnt ihr nicht nach Papunya weiterfahren. Das Hochwasser hat die Piste überschwemmt. Macht erst mal eure Proviant-Einkäufe, damit ihr für einige Tage Verpflegung habt.“ 

Wir luden alles ein, was in Dosen war – Bohnen, Fleisch, Gemüse, Milchpulver und so weiter. Am Nachmittag machten wir Pause in einem der vielen Pubs. Die Zeit, in der wir nicht arbeiten konnten, wurde bezahlt – das Bier im Pub allerdings nicht, haha. 

Alles, was wir an Verpflegung kauften, kam in Büchsen. Im Wohnwagen hatten wir nur einen kleinen Mini-Kühlschrank. Weil auf dem Lastwagen noch etwas Platz war, durften wir einen großen Kühlschrank mitnehmen – einen richtigen Mannshohen, schätzungsweise 150–180 Liter Inhalt. 

Nach einigen Tagen Organisieren und Warten kam endlich die Weisung: „Ihr könnt fahren. Das Wasser ist zurückgegangen, die Piste ist wieder frei.“ Keine Autobahn, sondern nur eine rote Erdstraße, stellenweise mit viel „Wellblech“, wie sie dort sagen. Auf manchen Abschnitten musste man mit möglichst hoher Geschwindigkeit fahren, damit es weniger schüttelte. 

Bevor wir losfuhren, erklärte uns der Depot-Chef ausführlich, wie die giftigen Tiere aussehen und wie man sich verhalten soll. „Am besten immer den Schlangen aus dem Weg gehen. Es gibt dort auch Skorpione, die sich gerne in leeren Schuhen einnisten, und einige giftige Spinnen.“ Er empfahl uns dringend, täglich mindestens zwei Liter Wasser mit einer Salztablette zu trinken. 

After a job well done, Albrecht, Papunya, Australia, 1974
Ayers Rock, considered a sacred mountain, Northern Territory, Australia, 1974
Tiger Snake, Papunya, Australia, 1974

Ankunft in Papunya

In Papunya angekommen, stellten wir den Wohnwagen direkt neben dem Bauplatz ab. Wir machten ihn fest, stellten die Beine in die Waage und richteten alles ein. Es gab ein Bohrloch mit einem Metallrohr, aus dem wir Wasser holen konnten. Eine Feuerstelle aus 1 cm dickem Metallblech bauten wir auch auf – die sollte uns die ganze Zeit zum Kochen dienen. 

Bob Parker rief per Funktelefon das Depot in Alice Springs an und meldete, dass wir gut angekommen waren. Die Piste sei nur noch stellenweise mit Wasser gefüllt. 

Wir wussten, dass Edy Evans in den nächsten Tagen mit dem ersten Bungalow-Transport zu uns stoßen würde. Edy war der Älteste im Team und sehr erfahren mit solchen speziellen, abgelegenen Jobs. 

Erster Arbeitstag in Papunya

Am ersten Arbeitstag mussten wir zuerst den vorgesehenen Platz für den Bungalow reinigen. Es war überall voll mit Gestrüpp und kleinen Büschen, sodass man die Holzprofile kaum noch sah. Diese Profile zeigten uns genau, wo wir die T-Eisen eingraben und betonieren mussten. 

Wir legten Feuer, um den Platz übersichtlich zu machen. Plötzlich rannten alle möglichen Tiere davon – darunter auch eine Tiger-Schlange. Die gilt als hochgiftig: Ein Biss, und wenn du nicht sofort das Gegengift bekommst, kannst du sterben. Als ich sie sah, sprang ich mit einem Satz auf das Dach des Fahrzeugs. Die anderen standen auf der Brücke des Lasters und grinsten sich eins. 

Tiger Snakes gehören zu den giftigsten Schlangen Australiens. Ihr Gift greift Nerven, Muskeln und die Blutgerinnung an und kann unbehandelt tödlich sein. Die Tiere sind aber nicht besonders aggressiv und beißen meist nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Wahrscheinlich hatte das Feuer sie aufgescheucht. 

Der Platz sah danach richtig gut aus – man konnte die Holzprofile wieder klar erkennen und alles war übersichtlich. Wir begannen, die Löcher für die T-Eisen von Hand zu graben. Keine Maschine, nur Schaufel und Pickel, bei 35–40 Grad im Schatten. Wir durften so viele Pausen machen, wie wir brauchten, um Wasser zu trinken. Während der Arbeit war Alkohol streng verboten. 

Als alle T-Eisen gesetzt und der Beton ausgehärtet war, rief Bob wieder per Funktelefon das Depot in Alice Springs an und meldete es durch. 

Am nächsten Tag kam ein riesiger Lastwagen mit der ersten Hälfte eines Bungalows. Er fuhr genau zwischen die vorbereiteten T-Eisen. Weil es nur die eine Hälfte war, hatte das Werk die offene Seite mit mehreren Spanplatten abgedeckt. Wenn erst einmal der feine Wüstenstaub drin ist, bekommt man ihn nie mehr richtig raus – unser eigener Wohnwagen war das beste Beispiel dafür. Die Spanplatten blieben erst einmal drauf, bis die zweite Hälfte kam und zusammengeschoben wurde. 

Papunya, After a job well done, ready to return to Alice Springs, Northern Territory, Australia, 1974

Bungalows zusammenbauen

Sobald der halbe Bungalow auf der richtigen Höhe war, schleppten Rolf und ich zu zweit diese riesigen Wagenheber heran – sie sahen aus wie überdimensionale Autowagenheber. Zwei Heber hinten, zwei vorne. Im Rhythmus hoben wir den Bungalow an. Wenn er hoch genug war, dass der Lastwagen darunter wegfahren konnte, ließen wir ihn – wieder im gleichen Rhythmus – an allen vier Ecken langsam auf die vorbereiteten T-Eisen ab. 

Mit großen Schraubzwingen fixierten wir ihn sofort. Wenn die zweite Hälfte ankam, würden beide Teile zu einem kompletten Bungalow zusammengeschweißt und fest verschraubt werden. Insgesamt sollten fünf Bungalows nebeneinanderstehen und miteinander verbunden werden, dazu noch ein Service-Raum. Alle Leitungen für Frischwasser, Abwasser und Strom waren bereits im Bungalow eingelassen. 

Stand der Bungalow einmal, montierten wir die Armaturen: Badezimmer, Dusche, Küche, WC-Schüssel mit Spülkasten – alles wurde festgeschraubt. Danach kamen die Malerarbeiten. Die Bungalows wurden innen nur mit einem Grundanstrich geliefert, den Rest erledigten wir. Auch die Rohre für Frisch- und Abwasser wurden angeschlossen und schauten unten aus dem Boden heraus. 

Damit die beiden Hälften perfekt zusammenpassten, benutzten wir einen Habegger-Handseilzug aus der HIT-Serie. Damit zogen wir sie Millimeter für Millimeter zusammen. Frischwasserleitungen waren blau, Abwasserleitungen braun markiert. 

Als der erste Bungalow fertig stand, richteten Rolf und ich ihn provisorisch ein, damit wir mehr Platz hatten. Aus Spanplatten bauten wir uns einen Tisch und für jeden eine Liegepritsche. Die Matratzen holten wir aus dem Wohnwagen. Rolf ließ dann seine künstlerische Ader walten und malte ein großes Bild direkt auf die Tischplatte. 

Die anderen Mitarbeiter blieben noch im Wohnwagen – den Bungalow konnte man nämlich noch nicht abschließen. Die Schlösser waren noch nicht angekommen. „Angsthasen“, sagten wir grinsend. 

Ein Hund wollte bei uns wohnen

In dieser Zeit tauchte plötzlich ein Hund bei uns auf. Woher er kam, wusste niemand. Es war ein Australien Cattle Dog mit braun-rotem Fell und grau-weißen Flecken. Anscheinend gefiel es ihm bei uns, denn er wich nicht mehr von unserer Seite. Wir nannten ihn „Rostig“, weil sein Fell aussah wie rostiges Eisen. 

Er hatte eine besondere Eigenart: Sobald wir abends die Taschenlampe anmachten, rannte er wie verrückt dem Lichtstrahl hinterher. Er blieb bei uns, bis wir mit dem Bauen fertig waren. Rostig bewachte uns hervorragend. Er ließ niemanden in unsere Nähe – weder fremde Menschen noch andere Hunde, die er mit gefletschten Zähnen und lautem Knurren verjagte.

Am Anfang dachten wir, er würde draußen auf dem kleinen Vorbau übernachten. Aber das passte ihm gar nicht. Er schaute mit traurigen Augen durch die Tür in unseren Raum, winselte leise und gab erst Ruhe, wenn wir ihn hereinließen. In den ersten Tagen wollte er immer nah bei Rolf oder mir sein – am liebsten mit auf unserer selbst gezimmerten Liegepritsche. Wir bauten ihm schließlich eine eigene kleine Pritsche, die er stolz in Besitz nahm. 

Immer wieder fragten wir uns, woher er wohl gekommen war. Es gab nicht viele Möglichkeiten: nur der provisorische Polizeiposten und das Esswaren-Depot, das nicht ständig besetzt war. Niemand kam vorbei, um ihn abzuholen. 

Rostig bekam von uns Essen und Wasser – und es schien ihm sehr zu schmecken. 

zurück in die Zivilisation

Auszug aus der Papunya Foundation:

„Papunya with a population of 299 is on restricted Aboriginal land and requires a permit to enter or travel through.“ 

Mein persönlicher Eindruck heute im Jahr 2025: Diese erfreuliche Entwicklung macht mich sehr glücklich. In den Siebzigern war die Siedlung ziemlich in Schieflage geraten. Es freut mich zu lesen, wie gute Leute aus den dort lebenden Aborigines inzwischen etwas Solides aufgebaut haben. Wer den Link liest, versteht, was ich meine. 

Die Wochen und Monate vergingen, und wir sahen langsam das Ende unserer Arbeit in Papunya. Gegen Schluss kamen noch vier Krankenschwestern dazu und zogen in andere kleine Häuser ein. 

Wir zeigten ihnen die fertigen Bungalows. Sie waren sichtlich begeistert und ließen sich die Technik genau erklären. Für Bob war es Liebe auf den ersten Blick bei einer der Krankenschwestern. Er arbeitete kaum noch mit uns und war nur noch schwer ansprechbar – als würde er auf Wolke sieben schweben. Bob hatte sich richtig verliebt, und ich gönnte es ihm von Herzen. 

Bob gab mir den Auftrag, noch einige kleine Abschlussarbeiten zu erledigen: Gartenzaun setzen, Gras ansäen und wässern, kleine Ausbesserungen bei den Malerarbeiten. Das waren gute zehn Tage Arbeit für mich allein. Vorher wurden Bob, Rolf und Edy abgezogen. Ich sollte mit dem Wohnwagen und allem Material am Schluss allein nach Alice Springs zurückfahren. 

Nach getaner Arbeit lud ich alles auf, hängte den Wohnwagen an, nahm genügend Wasser mit und fuhr los. Treibstoff hatte ich noch genug. Ich war sehr froh, wieder in die Zivilisation zurückzukehren. 

zurück in Alice Springs

In Alice Springs angekommen stellte ich den Truck samt Wohnwagen und dem gesamten Werkzeug im Hof von Sigal Industries ab. Der Manager und der Depot-Verantwortliche bedankten sich herzlich für die gute Arbeit und dass ich alles Material ordentlich zurückgebracht hatte. Es gab ein paar Biere, und der Manager sagte zu mir: 

„Ich habe eine neue Arbeit für dich, falls es dich interessiert. Du hast vier Tage Zeit, es dir zu überlegen. Die Firma hat einen großen Auftrag in Irian Jaya erhalten.“ (Das ist der westliche Teil von Neuguinea, der zu Indonesien gehört – die andere Hälfte wurde damals noch von Australien verwaltet.) 

Bis dahin hatte ich keinen Vertrag mit der Firma unterschrieben. Man hätte mit einer Woche Kündigungsfrist jederzeit gehen können – was einige auch taten. Wir nicht. Wir hatten mehrere Monate im Outback durchgehalten. 

„Wenn es dir zusagt, musst du einen Vertrag unterschreiben. Die Arbeit wird voraussichtlich einige Monate dauern. Es geht darum, mitten im Dschungel ein ganzes Dorf aufzubauen, damit mehrere hundert Personen dort arbeiten und mit ihren Familien leben können. Die indonesische Regierung hat dort ein riesiges Kupfer-Vorkommen entdeckt. Heute kennt man es als Grasberg Mine. Der Ort dazu hat inzwischen rund 15.000 Einwohner, die Mine selbst liegt auf etwa 4.000 Metern über Meer.“ 

„Alle vier Wochen bringen wir euch für eine Woche zurück in die Zivilisation. Die Bezahlung ist sehr gut. Das Einzige: Du musst einen unserer Werkzeugkisten kaufen. Darin ist praktisch alles drin, was man braucht, um unabhängig von der Zivilisation arbeiten zu können.“  

„Gut Albrecht, überlege es dir und gib mir in vier Tagen Bescheid.“ 

Der Depot-Chef teilte mir noch mit, dass Rolf sich im YMCA einquartiert hatte. Ich zog ebenfalls dorthin und bekam ein Bett in einem Schlafsaal mit sechs Betten. Rolf begrüßte mich und ich sagte sofort: „Wie kannst du hier mit diesen Pennern schlafen?“ 

Er antwortete trocken: „Schlafen ist viel gesagt. Die meiste Zeit der Nacht kannst du nur mit einem Auge schlafen, mit dem anderen musst du beobachten, was hier abgeht.“ Ein Bewohner dieses Saals wurde immer wieder von anderen abgeholt. Mehr gibt es dazu nicht zu berichten. 

Der Manager des YMCA, etwa 45 Jahre alt, lief den ganzen Tag in einem rosa kurzen Morgenrock und rosa Pantoffeln herum. Er versäumte es nie, sich in unserer Gegenwart kurz zu bücken, sodass alle seinen Hintern sehen konnten. 

In Alice Springs trafen wir uns mit ein paar jungen Australiern, die zum Ayers Rock (Uluru) und zu den Olgas fahren wollten. Wir mieteten zu fünft einen großen amerikanischen Wagen und fuhren los. 

Fahrt zum Uluru (Ayers Rock) und den Olgas

Dort angekommen bestiegen wir als Erstes den Ayers Rock – heute Uluru und als Heiligtum der Aborigines für Touristen verboten. Danach suchten wir uns einen Platz, um ein Feuer zu machen und eine Schlafgelegenheit einzurichten. Wir aßen etwas, das Feuer brannte, und wir stellten fest, dass es dort eine Unmenge von Mäusen gab.   

Einer sagte trocken: „Wenn es so viele Mäuse hat, kommen die Schlangen auch nicht lange auf sich warten.“   

Schlagartig wollte niemand mehr draußen schlafen. Vier quetschten sich in den Wagen, und ich stieg in den großen Kofferraum und schlief dort. Am Morgen gab’s einen schnellen Kaffee, dann fuhren wir weiter zu den Olgas (Kata Tuta) – ein beeindruckendes, ganz spezielles Steingebilde. Wir bestiegen nicht alle Kuppeln und beschlossen dann aus Preisgründen (Wagenmiete), abwechselnd fahrend nach Alice Springs zurückzukehren. 

Die vier anderen hielten es nicht lange beim Fahren aus – alle waren müde und schliefen sitzend im Auto ein. Und siehe da: Wer fuhr praktisch die ganze Strecke? Der Albrecht. Die anderen wollten nur ihr Nickerchen machen. Irgendwann hob ich die Stimme und sagte: „Hört zu, ihr Faulpelze! Wenn ihr schon nicht fahren wollt, dann sprecht wenigstens mit mir, damit ich nicht auch einschlafe!“ 

Es ging gut aus. Spätabends kamen wir wieder in Alice Springs an. Die Strecke beträgt ca. 400 Kilometer und gute 5 Stunden Fahrzeit – teilweise über ungeteerte rote Erde. 

Wie weiter mit unserer Reise?

Wir hatten noch einige Tage in Alice Springs. Als Erstes ging ich zur Bank, um den Stand meines Kontos zu erfahren. Die Angestellte kam zurück und schrieb mir einen Betrag in australischen Dollar auf einen Zettel. Der sah richtig gut aus. Ob ich ihn abheben wolle, fragte sie. Ich antwortete, ich käme in den nächsten Tagen vorbei, sobald ich wisse, wohin die Reise gehe.   

Sie lächelte und machte einen Spruch: „Nehmen Sie mich mit auf diese Reise?“ Ich lächelte höflich zurück. 

Nun war es Zeit, ernsthaft zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Klar war für uns beide: Wir wollten nach Südamerika. Also gingen wir in ein Reisebüro und fragten, ob es einen Flug von Sydney nach Santiago de Chile gebe. Die Angestellte sagte: „Ab Sydney gibt es keine direkten Flüge nach Südamerika. Ihr müsst erst nach Los Angeles fliegen und dann weiter, zum Beispiel nach Panama City.“ Der Preis war sehr hoch.   

Nächste Frage: „Gibt es Schiffsverbindungen nach Chile?“ – „Nein.“   

Unsere Idee war, nach Chile zu fahren und von dort von Süden nach Norden durch Südamerika zu reisen. In diesem Moment kam ein älterer Herr hinter einer Wand hervor – ich vermute, es war der Besitzer. Er machte uns folgenden Vorschlag: 

„Es gibt eine Schifffahrtsgesellschaft, die im Linienverkehr jeden Monat von England aus startet, um Südafrika herum nach Perth und Sydney fährt. Von Sydney geht sie zurück nach England über Wellington, Tahiti, Panama, Aruba, Vigo und England.“   

„Aber wir wollen noch nicht zurück nach Europa.“   

„Wohin wollt ihr denn?“   

„Nach Südamerika.“   

„Kein Problem. Ihr besteigt das Schiff in Sydney, Fahrt über Wellington und Tahiti und verlasst es in Panama.“ 

Gute Idee, dachten Rolf und ich. Er zog ein großes Buch hervor. Die Gesellschaft hieß Chandris Line und war in griechischem Besitz. Es handelte sich um ein Passagierschiff. Er begann zu rechnen, schaute die verschiedenen Fahrpläne an und nannte uns am Schluss einen Preis, der gut in unser Budget passte. Die Überfahrt würde 14 Tage dauern, bei voller Verpflegung. Er grinste und sagte: „Nur die Getränke müsst ihr selbst bezahlen – aber keine Angst, die sind zollfrei.“ 

Mittlerweile wusste auch Rolf, wie viel Geld auf seinem Konto war. Wir baten um einige Tage Bedenkzeit. Beim Verabschieden sagte er noch: „Warum geht ihr nicht morgen Samstag zum Hootenanny?“   

„Was ist denn das?“   

„Mehr oder weniger ein Country-Abend. Unzählige Stockmen (Cowboys) kommen meistens auch. Es gibt gute Musik und genug Bier.“ 

Also putzten wir uns am Samstagabend heraus – frisch rasiert und parfümiert – und gingen hin. 

Country-Abend mit Schlägerei und fliegenden Zähnen

Schon in der Nähe des riesigen Gemeindesaals hatte ich das Gefühl, dass Elektrizität in der Luft lag. Einige Männer rempelten schon, und es fehlte nicht viel, bis es losging. Wir bezahlten den Eintritt. Ich sagte zu Rolf: „Da oben ist ein Balkon. Im Moment gehe ich lieber hinauf, ich habe das Gefühl, es könnte gleich eine Schlägerei geben.“ Nicht das ich angst hatte, aber ich befolgte den Rat meines Vaters, gehe solche Begebenheiten, wenn möglich immer aus dem Weg, und wenn es nicht anders geht, mache es richtig.  

Von oben hatte ich eine gute Übersicht über die vielen Leute – auch viele freundliche Frauen waren da. Die Musik spielte, es wurde getanzt und gelacht. Zwischendurch wurden Preise für einen Wettbewerb verteilt. Die Atmosphäre war angenehm … bis plötzlich ein Funke übersprang. Zuerst flogen die Fäuste – eindeutig zu viel Testosteron im Blut. Dann flogen einige Zähne durch die Luft, und zum Abschluss gab es Blut. 

Plötzlich waren etwa 20 Polizisten im Saal. Eins, zwei, drei – und die Schlägerei war vorbei. Danach konnte man einen richtig schönen Tanzabend genießen. Irgendwann am Morgen kam ich zurück ins YMCA. 

Abschied vom Outback und Weiterreise nach Sydney

Ich hatte noch ein letztes Treffen mit dem Regional-Manager, um ihm zu sagen, was ich nun vorhatte. Meine Entscheidung war eigentlich schon gefallen, als ich den Betrag auf meinem Bankkonto gesehen hatte. Ich traf Michael Hogg – so hieß er – und teilte ihm mit, dass ich mich gegen das Projekt in Irian Jaya entschieden hätte und weiterreisen würde. Er war etwa 40 Jahre alt und sagte bedauernd: „Schade, ich wünsche dir trotzdem eine gute Zeit.“ 

In den nächsten Tagen gingen wir wieder ins Reisebüro, um unsere Entscheidung offiziell zu machen und die Schiffspassage mit der Chandris Line zu buchen. Wir hatten noch genügend Zeit, bis wir uns in Sydney einfinden mussten. 

Der Traumzeitwanderer 

In Alice Springs trafen wir noch einmal unseren ehemaligen Vorarbeiter Bob Parker sowie den Filmemacher Bruno Scrobogna und Karin, die Krankenschwester aus Papunya. Bruno wurde „Der Traumzeitwanderer“ genannt. Er war oft in Papunya unterwegs, um Filme über die Traumzeit der Aborigines zu drehen. Es gibt auch einige Bücher von ihm, die diese Zeit dokumentieren. Er wohnte jeweils in seinem VW-Bus zusammen mit seinem ganzen Filmmaterial. 

Wir hatten mit ihm immer sehr gute und interessante Gespräche – vor allem über seine Zeit in der deutschen Armee während des Krieges und danach in der französischen Fremdenlegion. Wir fragten ihn nach seiner Adresse und Telefonnummer in Sydney. Er gab uns beides. Später in Sydney versuchten wir mehrmals, ihn zu erreichen, aber weder die Anschrift noch die Telefonnummer stimmten. Vielleicht wollte er etwas verbergen – wir haben dann nicht weiter nach ihm gesucht. Er hatte sicher seine Gründe. Wir gingen unseren eigenen Weg weiter. 

Coober Pedy – Wohnen unter der Erde 

So verabschiedeten wir uns vom Northern Territory, von Papunya und Alice Springs. Mit dem Bus reisten wir Richtung Süden, vorbei an Coober Pedy mit seinen unzähligen Opal-Minen. Viele ehemalige Minen waren zu großen Wohnungen unter der Erde ausgebaut worden, wo die Minenarbeiter mit ihren Familien bei konstanter Temperatur lebten. 

Weiter ging es über Port Augusta nach Adelaide. Dort fiel mir auf, dass es noch einige sehr alte Trams gab und im Zentrum viele gut erhaltene, alte Häuser aus einer anderen Zeit standen. 

Nach kurzem Aufenthalt setzte sich die Reise fort nach Melbourne. Diese Stadt beeindruckte mich besonders durch das harmonische Zusammenspiel von alten und neuen Gebäuden. Es war eindrucksvoll, wie gut das Alte erhalten blieb. Dazu große Parkanlagen mit sehr breiten Fahrradwegen. 

Über Canberra erreichten wir schließlich Sydney – mit dem berühmten Opera House, das wir besichtigten, ebenso Bondi Beach und die Harbour Bridge. Natürlich machten wir auch der Oxford Street einen Besuch. 

Viele Nachtlokale an der Oxford Street 

Überall verteilt gab es unzählige Night-Clubs, Wine & Dance Bars und ähnliche Lokale. Nach unserer Bus-Ankunft suchten wir zuerst eine günstige Unterkunft. Die Jugendherberge war ausgebucht. Der Leiter empfahl uns das YMCA. Ich war nicht unbedingt begeistert, aber unser Budget ließ uns keine große Wahl. 

Dort angekommen nahmen wir ein Zweier-Zimmer. Der Manager zeigte uns Dusche und WC – beide lagen auf dem Gang. Was für eine Überraschung: Die Duschen hatten keine Türen, die WCs ebenfalls nicht. Ich sagte sofort zu Rolf: „Vorläufig bleibe ich hier, aber ich schaue mich nach einer anderen Unterkunft um.“ Man hatte ständig das Gefühl, dass beim Duschen oder auf dem WC zig Augenpaare zuschauten. Welch eine Schweinerei.

Arbeit in einem Nachtklub in Sydney & Abstecher nach Neuseeland

So vergingen einige Tage in Sydney, und wir stellten schnell fest: Diese Großstadt war ein teures Pflaster. Bis das Schiff ablegte, blieben uns noch etwa fünf Wochen. Ich suchte Arbeit – möglichst mit Unterkunft. Rolf war derselben Meinung. 

Rolf fand rasch einen Job mit Unterkunft in einer Wine Bar (damals noch nicht so bekannt wie heute). Ich schaute die Kleinanzeigen durch und entdeckte ein Inserat: Ein Mann wurde gesucht, um allerlei Arbeiten in einem Nachtklub zu erledigen. 

Ich meldete mich telefonisch und ging am Nachmittag vorbei. Der Besitzer des Nachtklubs in der Nähe der Oxford Street erklärte mir, dass es nur für ca. 2–3 Wochen sei, weil der bisherige Mann sich leicht verletzt hatte. Die Arbeiten waren vielfältig: Türsteher, Kleiderkontrolle der Gäste, für Ordnung im Lokal sorgen. Der Besitzer wollte auf keinen Fall, dass gesungen wurde – er hatte offenbar eine echte Allergie gegen Gesang. 

Wenn alle Gäste gegangen waren, musste ich alle Aschenbecher einsammeln, leeren und in einem separaten Kübel waschen. Die unsauberen Tischtücher entfernen und durch sauberes Ersetzen. Das Gröbste vom Boden zusammenwischen. Im Laufe des Morgens kam dann eine Frau, um richtig zu saugen. Außerdem brachte ich alle leeren Flaschen ins Depot und füllte die Schränke und Kühlschränke mit neuen Flaschen auf. Das übrige Geschirr wurde von den Kellnern und Kellnerinnen gereinigt. 

Meistens hatte ich gegen 3 Uhr morgens Feierabend. Der Lohn war klein, aber ich hatte ein winziges Zimmer mit Bett im ersten Stock und durfte Esswaren aus dem Kühlschrank nehmen, was mir sehr passte – vom YMCA hatte ich wirklich genug. Man hatte mir die Arbeit mit Unterkunft für 2–3 Wochen zugesagt. Ich dachte mir: Was mache ich danach? Wieder einen neuen Job suchen? 

Dann kam mir eine Idee: Es bleiben mir noch drei Wochen bis zum Schiff – warum fliege ich nicht nach Neuseeland? Bei Rolfs Wine Bar sah es so aus, als ob er bis zur Einschiffung Arbeit hätte. Ich ging ins Reisebüro, zeigte meine Schiffskarte und fragte, ob ich stattdessen in Wellington einsteigen könnte. Es sei kein Problem, sagten sie. Ich bekam einen Teil des Geldes zurück und kaufte mir mit dem Rest plus etwas Eigenem ein Flugticket nach Auckland. 

Ich ging bei Rolf vorbei und teilte ihm den Plan mit. Wir vereinbarten, dass ich in Wellington wieder zusteigen würde. Nach genau drei Wochen kam der verletzte Arbeiter zurück, und ich konnte gehen. Jede Woche hatte ich das vereinbarte Gehalt erhalten. Das Flugticket nach Auckland trug ich bereits bei mir. 

Ich nahm den Bus zum Flughafen. Flug Sydney–Auckland. 

Re-Entry Visa für Australien

Bevor ich Australien verließ, holte ich mir bei der Immigrations-Behörde ein **Re-Entry Permit**. Meine Rückkehr nach Australien war damals an dieses Permit gebunden. Es galt ein Jahr. Das bedeutete: Wenn ich innerhalb dieser Zeit wieder einreiste, brauchte ich kein neues Migration-Visa zu beantragen. 

Einige Monate nachdem ich in die Schweiz zurückgekehrt war, erhielt ich einen Brief der australischen Botschaft in Bern. Darin stand, dass ich noch Geld aus zu viel bezahlten Steuern zurückbekommen würde. Ich solle eine Kopie meines Passes schicken und ein Konto angeben. Einige Tage später hatte ich einige hundert Franken auf dem Konto. In meinem ganzen Leben habe ich sonst nie Geld von einer Steuerbehörde zurückerhalten – Australien schon!