Hongkong
Ankunft in Hongkong
Die Ankunft in Hongkong lief problemlos. Wir verließen das Schiff und suchten sofort eine Unterkunft. Das Schiff hatte in Kowloon angelegt, und wir gingen die Nathan Road entlang bis zur Kreuzung Jordan Road. Jemand im Hafen hatte uns von einer Jugendherberge erzählt, die sich im 12. Stock befand. Zum Glück gab es einen Lift.
Die Herberge wurde von einer Privatperson geführt und war sehr günstig. Wir hatten ein Zimmer mit Etagenbetten und einem großen schwenkbaren Ventilator in der Mitte. Im gleichen Zimmer wohnte ein Inder, immer gut gekleidet, der in Hongkong bestens bekannt war. Er gab uns viele nützliche Tipps.
Was mich bei der Hitze erstaunte: Der junge Mann trug lange Unterhosen und ein langes Unterhemd. Die Toilette mit Dusche lag auf dem Flur. Öfters funktionierte der Aufzug nicht – runter ging’s easy, aber hoch war ganz schön mühsam.
Taifune in Hongkong
Wir hatten das Glück (oder Pech), gleich mehrere Taifune mitzuerleben. Das war schon beeindruckend – und teilweise richtig ungemütlich.
Wenn ein Taifun kam, wurde die ganze Stadt plötzlich nervös. Die Läden machten früher zu, die Straßen leerten sich, und die Leute nagelten Fenster und Türen zu. In unserer Jugendherberge im 12. Stock spürten wir den Wind besonders stark. Der Ventilator in der Mitte des Zimmers hörte sich plötzlich lächerlich an gegen das, was draußen los war.
Bei einem der Taifune stand plötzlich ca. 10 cm Wasser in unserem Zimmer. Das Wasser lief die Treppen hinunter wie ein richtiger Bergbach – man hörte es richtig rauschen. Draußen peitschte der Regen waagrecht gegen die Fenster, der Wind heulte so laut, dass man sein eigenes Wort kaum verstand. Die ganze Nacht hat das Gebäude gewackelt und geknarrt. Am nächsten Morgen sah die Stadt aus wie nach einer Schlacht: umgekippte Schilder, abgebrochene Äste, überall Pfützen und Dreck.
Trotzdem ging das Leben schnell weiter. Sobald der Taifun vorbei war, waren die Straßen schon wieder voller Menschen, die aufräumten. Das Essen war billig und gut, besonders wenn man sich mit einer Straßenküche zufriedengab – und genau das haben wir gemacht. Nach so einer stürmischen Nacht schmeckte eine heiße Nudelsuppe oder gebratener Reis besonders gut.
T-Shirt mit „Switzerland“
Damals hatte ich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Switzerland“. Das gefiel einem großen Chinesen so gut, dass er mir einen Tausch anbot. Er trug ein weißes kurzärmliges Hemd. Ich machte den Tausch – und ich denke, es war eine echte Win-win-Situation. Dieses Hemd habe ich während der ganzen Reise immer für besondere Gelegenheiten angezogen, zum Beispiel auf Botschaften, Konsulaten oder an Schaltern überall auf der Welt. Man sieht nie die Hosen der Leute, die vor einem stehen.
Hongkong – Aberdeen
Der Strand von Aberdeen war super zum Schwimmen und Fischessen. Auch der Victoria Harbour war einen Abstecher wert.
Unser Zimmernachbar gab uns einen guten Tipp für die Weiterreise nach Thailand. Er nannte uns eine Adresse von einem „Reisebüro“. Wir fanden es zu Fuß. Staunend stellten wir fest: Das Reisebüro war ein Ein-Mann-Büro unter dem Treppenaufgang des Hauses. Wir sprachen mit dem Mann, und er konnte uns zwei Flugtickets mit Siam Airlines zu einem günstigen Preis besorgen. Natürlich war bei so einem Deal ein gewisses Risiko dabei, aber wir kauften die Tickets und bezahlten.
Der Abflug sollte vom alten Flughafen Hongkongs abends um 22:00 Uhr gehen. Wir fuhren mit dem Bus zum Flughafen und checkten unsere Rucksäcke ein. Nach einer Weile kam die Ansage: Der Flug sei annulliert. Wir bekamen unser Gepäck zurück und wurden in ein Hotel zur Übernachtung gebracht.
Diese Fluggesellschaft besaß nur zwei Flugzeuge – und eines davon war gerade in Reparatur.
Wir erhielten Gutscheine: einen für Essen mit Getränken, einen fürs Morgenessen und einen für ein Einzelzimmer. Rolf bekam dasselbe, inklusive eines Zimmers mit Balkon und Blick auf die Bucht. Ich glaube, das Hotel hieß Metropol.
Wir deponierten unser Gepäck im Zimmer. Ich sah einen Zettel für den Wäscheservice, packte ein paar Kleider ein, die eine Wäsche vertragen konnten, füllte den Zettel aus und legte das Paket vor die Tür.
Unten im Restaurant fragten wir den Kellner, was wir mit dem Gutschein alles essen könnten. Er sagte: „Alles, was auf der Karte steht.“ Als ich sah, dass auch T-Bone-Steak draufstand (das kannte ich nur vom Hörensagen), bestellten wir beide je ein T-Bone-Steak mit Bier und Fritten. Nach fast drei Wochen Russian-Food war das ein königliches Essen! Der Kellner sagte, wir könnten noch mehr haben, alles sei gratis, aber wir blieben vernünftig und ließen es bei einem Bier. Wir waren beide sehr zufrieden und fanden, man solle nicht übertreiben.
Als wir zurück aufs Zimmer kamen, lag meine Wäsche schon gewaschen und sauber gefaltet auf dem Bett. Auf dem Zettel stand umgerechnet ca. 6 Franken. Ich dachte: „Das bezahle ich morgen früh vor der Abfahrt.“
Informationen unterwegs und Backpacker-Infos
Wo und wie holten wir uns Informationen über das Land, Hotels usw.?
Tourist-Office
In größeren Städten gingen wir meist ins sogenannte Tourist-Office. Die waren alle sehr hilfsbereit, oft mit Karten und Material versorgt.
Tipps von anderen Backpackern
Oft traf man auch andere Backpacker. Ohne sich zu kennen, kam man ins Gespräch und tauschte Tipps aus. Es waren Backpacker aus der ganzen Welt.
Schweizer Backpacker
Zwei sind mir besonders in guter Erinnerung geblieben:
Der eine war Kurt Schädeli, Schlosser aus Steffisburg. Jedes Mal, wenn wir ihn trafen, holte er seine Jass Karten raus und sagte: „Komm, wir machen einen Putzer.“ Kurt kam vor uns in Australien an. Schon ca. vier Wochen nach seiner Ankunft in Darwin war er Vorarbeiter auf einer Schiffswerft und hatte schon ein Auto.
Der andere kam aus der Region Zürich und war Bäcker/Konditor. Langer Bart, lange Haare. Als wir ihn in Darwin wieder trafen, erkannte ich ihn zuerst gar nicht: kein Bart mehr, kurze Haare, kurze Hosen und weiße Socken mit schwarzen Schuhen. Wir haben ihn ein bisschen gefoppt und gefragt, ob er schon Australier sei. Er antwortete, sein Chef in der Großbäckerei habe das von ihm verlangt.
Flug nach Bangkok
Wie an der Rezeption angekündigt, wurden wir um 5:00 Uhr geweckt. Wir konnten noch ein ordentliches „English Breakfast“ essen, und um 7:00 Uhr stand der Bus vor dem Hotel. Wir wurden zum Flughafen gebracht, gaben unser Gepäck ab, checkten ein – und schon ging’s los nach Bangkok.
In aller Eile hatte ich vergessen, meine Rechnung für die Wäsche zu bezahlen. Sorry…
Der Flug dauerte etwa 4 Stunden.