Panama
Durch den Panama-Kanal** hier Zeichnung einsetzen Knabe mit Helveticus Buch
Eines Morgens sehr früh stellte ich fest, dass das Schiff nicht mehr fuhr. Alle gingen an Deck, und wir sahen die Lichter von Panama City. Die **Britanis** lag in der Wartezone vor der Einfahrt in den Panama-Kanal.
Schon mit 14 Jahren hatte ich davon geträumt, einmal mit einem Schiff durch den Panama-Kanal zu fahren. Meine Patin hatte mir damals ein Buch mit dem Titel „Helveticus“ geschenkt – eine Sammlung von Kurzgeschichten mit vielen technischen Erklärungen und Fotos vom Kanal. Ich las es immer wieder gern. Und siehe da: Rund zwölf Jahre später wurde dieser Kindheitstraum Wirklichkeit.
Einfahrt in den Panama-Kanal
Ein Lotse kam an Bord, und dann ging es los – Richtung Panama-Kanal. Es war beeindruckend zu sehen, wie solch ein großes Schiff die Schleusen bewältigte. Alles lief fehlerlos ab, wie ein gut einstudiertes Musikstück. Mehrere Schleusen folgten, danach die Fahrt durch den Gatun-See bis nach Colón.
In Colón verließen wir das Schiff. Wir waren keine zwanzig Personen, die ausstiegen. Der Kapitän stand auf der Brücke und verabschiedete uns mit einem großen Winken und einigen Worten auf Griechisch.
Der Kanal stand damals noch unter amerikanischer Hoheit. Die Passkontrolle fand direkt auf dem Schiff durch einen Amerikaner statt. Wir mussten ein Flugticket vorweisen, das bewies, dass wir Panama wieder verlassen würden – sonst durfte man das Schiff nicht verlassen. Wir hatten dieses sogenannte „Get-out-ticket“ oder One-Way-Ticket schon im Reisebüro in Alice Springs gekauft.
Wir liefen zu einer kleinen Bahnstation (eher eine Haltestelle) in Colón und bestiegen den Zug, der von einer alten Dampflokomotive gezogen wurde. Die Fahrt ging über Gatun und Gamboa nach Panama City – mehr oder weniger immer entlang des Kanals. Es war eine andere Perspektive als vom Schiff aus.
Ankunft in Panama und Abschied vom Schiff
Gegen Ende der Überfahrt veränderte sich das Klima spürbar. Die Luft wurde wärmer und deutlich feuchter. Die Annäherung an Panama und Colón kündigte sich Schritt für Schritt an. Mit der Ankunft endete diese lange Passage über den Pazifik. Es war kein wildes Abenteuer im eigentlichen Sinn, sondern ein ruhiger Übergang – eine Brücke zwischen zwei Abschnitten unserer Reise.
Diese Schiffsfahrt war gleichzeitig Teil des Weges und eine Phase des Innehaltens, bevor ein neuer Kontinent begann.
Ankunft in Panama City
In Panama City waren Klaus, Gaston, Rolf und ich auf der Suche nach einem günstigen Hotel. Klaus hätte es nicht nötig gehabt, aber er schloss sich uns an. Wir fanden eines ziemlich im Zentrum.
Was mir in Panama City besonders gefiel, war die Altstadt – „El Casco Viejo“, wie die Einheimischen sie nannten. Gut erhaltene alte Häuser, Cafés mit sehr hohen Decken und viele stämmige Indios. Man konnte sich problemlos auf Englisch verständigen.
Gemeinsam gingen wir abends in ein typisches Restaurant. Meine erste zentralamerikanische Mahlzeit war ein „Arroz con Pollo“. Als ich es bestellte, grinste die Bedienung, weil ich es nicht richtig aussprach. Trotzdem war es köstlich, sehr reichlich und passte wunderbar zu einem gut gekühlten Bier. (Reis mit Huhn)
Anschließend wollten wir uns verabschieden. Klaus flog in die USA, Gaston zurück nach Bolivien, und wir würden einige Tage später nach Barranquilla in Kolumbien weiterfliegen. Wir beschlossen, einen gemeinsamen Abschiedsabend zu genießen und fanden ein gutes Lokal. Solche Lokale eignen sich weniger zum Reden, sondern eher zum Trinken und dem Treiben zuzuschauen.
Kaum hatten wir uns an der Bar niedergelassen und jeder einen Drink in der Hand, spielte die Live-Band bereits auf Hochtouren. Plötzlich standen einige junge Frauen auf der Theke und tanzten mit viel Energie. Wir dachten, Klaus würde gleich ohnmächtig werden. Er war ein sehr netter, etwas verschlossener Mann, und das Tanzen der Frauen so nah vor uns hatte ihn sichtlich mitgenommen. Viel Kleidung trugen sie nicht. Es wurde ein toller, unvergesslicher Abend.
Auf dem Weg zurück ins Hotel tauschten wir Adressen aus. Klaus gab uns die Adresse seiner Schwester, unter der er zu erreichen wäre, Gaston seine in La Paz, Bolivien – die wir später auf der Durchreise tatsächlich besuchten.
Einige Tage nach diesem Abschied waren wir an der Reihe, weiterzureisen und einen neuen Kontinent zu entdecken. Mit dem Flugzeug starteten wir von Panama City nach Barranquilla in Kolumbien. Der Flug dauerte nicht zwei Stunden.